Was eigentlich ist ein Leistenbruch?

Ein Leistenbruch entsteht, wenn die Leiste einer Belastung oder Beanspruchung nicht mehr standhalten kann. Was die Ärzte mit „hernia inguinalis“ bezeichnen, ist ein „Aufreißen“ oder „Aufbrechen“ des Stützgewebes.

Das Problem: ist die Festigkeit des Gewebes erst einmal verloren, entsteht nach und nach ein regelrechtes „Loch“ in der Bauchwand, durch das sich Fett-und Darmanteile hindurchzwängen. Solange es dabei nicht zu einer Gewebeeinklemmung kommt, entstehen kaum Schmerzen: Patienten bemerken einen Leistenbruch oft erst, wenn sie im Stehen eine kleine Beule in der Leiste erkennen.

Was ist das Besondere an der Leiste?

Die Leiste gehört zu den kompliziertesten anatomischen Regionen des menschlichen Körpers. Sie kompensiert die oftmals sehr starken Belastungen, ohne dass wir es merken – Belastungen, wie sie nicht nur bei körperlicher Arbeit oder beim Sport auftreten, sondern auch beispielsweise beim Husten.

Gleichzeitig treten große Gefäße und zarte Lymph- und Nervenbahnen – beim Mann auch der Samenstrang – durch die Leiste hindurch und formen ein sensibles, fein strukturiertes System, das selbst bei höchster körperlicher Anstrengung weder gezerrt noch gequetscht werden darf. Von daher schützen kräftige Muskeln und Bänder diesen Bereich: sie sorgen einerseits selbst bei kurzfristigen Spitzenbelastungen für eine optimale Stabilität; andererseits lassen sie stets genügend Raum, dass Gefäße flexibel und nachgiebig gelagert bleiben.

Dieses empfindliche Wechselspiel zwischen Stabilität und Nachgiebigkeit bestimmt die Komplexität der Leistenregion – und macht sie aber auch zu einer natürlichen Schwachstelle des Menschen.

Was sind die Ursachen?

Zwar gibt es seltene Stoffwechselerkrankungen, die zu einer ungewünschten Nachgiebigkeit des Bindegewebes führen; in der Regel aber ist die spezielle Anatomie von Muskeln und Bändern der Grund, dass die Leiste nicht gehalten hat. Liegt zusätzlich eine sogenannte Bindegewebsschwäche vor, erhöht sich das Risiko deutlich. Auch können durch vorangegangene Operationen die Schutzreflexe der Bauchwand unterbrochen worden sein, so dass Druckbelastungen nicht mehr rechtzeitig abgefangen werden können.

Welche Ursachen gibt es noch für Leistenschmerzen?

Leistenbeschwerden können nicht selten von Reizungen der Bänder und Sehnen ausgehen, wie sie sich häufig nach Fehl- oder Überbelastung einstellen. Eine Entzündung dieser Sehnenansätze verursacht immer wieder unangenehme Schmerzen. Auch Veränderungen von Wirbelsäule und Hüftgelenk können schmerzhaft in der Leistenregion ausstrahlen. Beim Mann ist die sorgfältige Untersuchung von Samenleiter, Hoden und Nebenhoden besonders wichtig.

Es gibt also viele Erkrankungen, jede erfordert eine ganz spezielle Therapie. Daher sollte nicht immer sofort operiert werden. Wichtig ist: jeder Schmerz hat eine Ursache, die es zu bekämpfen gilt, bevor größere oder chronische Beschwerden entstehen.

Wie bedrohlich ist ein Leistenbruch?

Wenn sich Gewebe im Bruch verfängt, kann dies zu ausstrahlenden Schmerzen führen, insbesondere beim Gehen. Die eigentliche Gefahr entsteht aber erst dann, wenn sich Darmanteile plötzlich einklemmen und nicht wieder befreien können.

Dadurch „erstickt“ das empfindliche Gewebe und der Darm stirbt allmählich ab: Es besteht höchste Lebensgefahr, die nur durch eine sofortige Notoperation abgewendet werden kann. Solche bedrohlichen Situationen können durch einen frühzeitigen, oft sehr kleinen Eingriff verhindert werden.

Was sind die wichtigsten Operationsmethoden?

• Offene Operation (herkömmliche Methode):

Über einen Schnitt in der Leiste müssen zunächst die gesunden Gewebe-schichten durchtrennt werden, bis das „Loch“ in der Tiefe freigelegt ist. Dann wird der Bruch mit kräftigen Knoten zugezogen (Shouldice) oder es wird ein Kunstnetz um Samenleiter und Hodengefäße gewickelt und auf das „Loch“ genäht (Lichtenstein). Oft wird zusätzlich ein weiteres Netz zusammengerollt und direkt in das „Loch“ gestopft (Plug and Patch). Belastet werden kann die Wunde erst nach einigen Wochen. 

Problem: Das „Loch“ darf auf keinen Fall verschlossen, es darf nur eingeengt werden. Denn hier laufen alle wichtigen Strukturen für den Hoden hindurch! Wird es zu eng, entstehen Schmerzen und die Durchblutung des Hoden ist gefährdet. Wird es zu weit, entwickelt sich erneut ein Bruch.

• Minimal-invasives TAPP-Verfahren (einschl. Roboter-Chirurgie):

Über kleine äußere Schnitte und einer Kamera wird der Bruch über den Bauchraum von „innen“ angegangen. Dazu muss allerdings das Bauchfell zwischen den Darmschlingen über mindestens 10-15cm aufgeschnitten werden, um überhaupt zum Bruch zu gelangen. Ein Kunststoffnetz wird eingebracht und zumeist auch um Samenleiter und Hodengefäße gewickelt – nur diesmal von innen. Eine Verankerung des Netzes mit Metalltackern oder Klebstoffen ist erforderlich. Abschließend muss das aufgetrennte Bauchfell mit Metalltackern oder Nähten unbedingt verschlossen werden, da sonst heftige Verwachsungen zum Darm entstehen. 

Problem: Die Operation kann den Darm gefährden und auch später zu inneren Verwachsungen führen. Die Umwicklung von Samenleiter und Hodengefäßen ist oft erforderlich. Um Verletzungen durch Tacker zu vermeiden, werden auch Klebstoffe verwendet.

• Minimal invasive Sandwich®-Operation:

Für diesen Eingriff wird ein von Natur aus vorhandener, feiner Gewebespalt in der Bauchwand genutzt: statt gesundes Gewebe zu zerschneiden, wird in diesen Spalt eine Mikrokamera eingeführt und der Leistenbruch aufgesucht. Alle Schichten bleiben heil - die äußeren und die inneren. Der Bauchraum bleibt unberührt.  

Mit zwei Pinzetten wird dann ein dünnes Netz glatt in den Spalt eingezogen. Die Schichten legen sich wieder aufeinander und der Körper fixiert das Netz von ganz allein – Knoten oder Metalltacker sind nun nicht mehr erforderlich. Die Leiste ist von Anfang an so gut wie schmerzfrei, weil nichts zerschnitten wurde. Und der Patient kann sofort voll belasten: der natürliche Druck ist "der Freund"  der Operation und  presst das Netz fest!

Problem: Das Sandwich®-Verfahren ist die für den Chirurgen die am schwierigsten zu erlerndende Operation und setzt eine spezielle Operationsausbildung und Erfahrung voraus. Für den Patienten bringt es viele Vorteile.

Welches Operationsverfahren ist das Beste?

Das hängt ganz von Ihren persönlichen Gegebenheiten ab. Wir selbst haben uns auf das „Minimal-Invasive Sandwich®-Verfahren“ spezialisiert, das selbst bei ausgedehnten Brüchen bis tief in den Hoden beste Ergebnisse zeigt. Die entscheidenden Vorteile dabei sind:

• erstmals Präparation in einem „natürlichen“ Gewebespalt

• Gewebe wird erhalten, nicht zerschnitten

• sanfte Narkoseführung

• kaum Schmerzen

• kein Blutverlust

• keine „Drainageschläuche“ in der Wunde

• kosmetisch völlig unscheinbare Operationsnarben

• dauerhafte Stabilität auch nach Wiederholungsbrüchen

• Vollbelastung sofort nach jeder Operation.

• Sportler können umgehend ihr Training wieder aufnehmen

• Aufenthalt in der Klinik für eine Nacht

Untersuchung, Operation und Nachbetreuung werden nur von Herrn Privatdozent Dr. med. Eckhard Löhde persönlich durchgeführt.

Sind Spezialisten für Leistenbruch-Operationen notwendig?

Zwar ist die Leistenbruchoperation eine der häufigsten chirurgischen Eingriffe; trotzdem sind die Resultate nicht immer zufriedenstellend. Studien belegen, dass in Deutschland über 10 % der Patienten nach einer Operation erneut einen Bruch erleiden; auch Schmerzen und Nerveneinklemmungen treten immer wieder auf.

Von daher gilt: Für die Operation müssen Spezialisten aufgesucht werden. Und zwar ohne Wenn und Aber. Jeder Mensch bringt seine individuelle Konstitution und individuellen Risiken mit. Wie wichtig es ist, dass solche Voraussetzungen in die Therapie einfließen, zeigen die Ergebnisse: beim „minimal-invasiven Sandwich®-Verfahren“ treten Wiederholungsbrüche unter 0,2 %  auf.

Bin ich zu alt für das Sandwich(R)-Verfahren?

Der ältere Mensch ist nicht mehr so belastbar wie der jüngere. Durch geschickte Auswahl spezieller Narkose- und Operationsverfahren können solche altersbedingten Gegebenheiten bestens aufgefangen werden.

Entscheidender ist für diese Patienten vielmehr, dass sie rasch wieder in ihren alltäglichen Bereich zurückkehren und alle Verrichtungen durchführen können. 

Hier gewinnt das "Sandwich®-Verfahren" aufgrund seiner besonderen Vorteile an Bedeutung. So werden heute Patienten in einem Alter weit über 70 Jahre sicher durch die Operation geführt und können nach kurzer Zeit ihre gewohnte Aktivität wieder aufnehmen.

Übernimmt meine Krankenversicherung die Kosten?

Privatpatienten:

Die Abrechnung erfolgt gemäß der geltenden GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte). Die operative Hauptleistung wird bei diesem Verfahren mit dem 6,5-fachen Satz berechnet, die übrigen Leistungen werden maximal bis auf den 3,5-fachen Satz gesteigert. Viele Versicherungen erstatten bei dieser Operation sämtliche Kosten, auch den erhöhten Steigerungsfaktor. Es gibt aber auch Versicherungen, die von sich aus nur einen erheblich geringen Leistungsumfang übernehmen. Dann wird der jeweilige Differenzbetrag vom Patient selbst getragen. 

Dies sollte im Vorfeld geklärt werden. Gerne geben Frau Sandra Heß oder Frau Julia Drescher Ihnen Auskunft (Sekretariat: 030-83222900).

Gesetzlich versicherte Patienten:

Die Kosten für den reinen Klinikaufenthalt werden von den gesetzlichen Kassen vollständig übernommen. Die Kosten für die "Arztleistungen" und die Narkose müssen die Patienten leider selbst übernehmen.

Besteht aber eine Zusatzversicherung für die stationäre Behandlung, werden die Kosten in der Regel übernommen und es gelten in etwa die Bedingungen der privat versicherten Patienten. 

Fragen Sie aber bitte gern im Sekretariat bei Frau Sandra Heß oder Frau Julia Drescher nach (Sekretariat: 030-83222900).